Aufstieg

von Jörg Schwenker (copyright)

Der Dünenweg

versucht die letzten Strahlen der Sonne zu reflektieren,
eingerahmt von endlosen Reet,
führt er mich geradlinig auf dunkle Dünen zu,
unternimmt einen Anlauf
in die riesige Wand des Himmels,
ziellos und unendlich.

Dorthin,
wo ich mich zu verlieren scheine.
Weiter und weiter entferne ich mich
von den flachen dunklen Heideflächen
als gäbe es nur noch den Himmel.

Leidenschaft

von Jörg Schwenker (copyright)

Die Leichtigkeit war zurückgekehrt.
Erregung und Begeisterung vermengen sich
mit dem “dabei sein”,
erfreuen sich an meiner Geschwindigkeit,
dem Zurücklassen von Zeit und Ort

Überall spüre ich
die Faszination einsamer Waldwege
in winterlicher Dämmerung,
inmitten weichen Lichtes.

So atme ich gierig
den unverbrauchten Hauch von Reinheit und Klarheit,
die Vorboten des beginnenden Frühlings

Die Farben der Dämmerung verblassen und treiben mich an,
hemmungslos,
geben mir schliesslich Kraft und nehmen die erdrückende Schwere.

Absichtslos

von Jörg Schwenker (copyright)

Wenn Sinnlichkeit und Klarheit
sich mit Bewegung verbinden,
die Berährung des Bodens rein zufällig wird,

die Kraft – der Ursprung des Ganzen
aus dem Nichts zu kommen scheint,
dann bin ich mir näher,
öffne die Augen, – begreife das Geschenk

Auf Schienen

von Jörg Schwenker (copyright)

Gradlinig der Weg,
gradlinig mein Leben,

Kein rechts kein Links,
bislang nur geradeaus
Immer er wieder die Schablone aufgelegt.

Unwahr der Himmel,
im Dämmerlicht einzelner Bäume aufgereiht.

„Modelleisenbahn“

Über mir der Mond,
weckt Erinnerungen.
Ein einzelner Stern, er bewacht.
Der Laufwind berührt mein Haar
- Meeresrauschen-
Ich muss heim, bevor mich die Dunkelheit verschluckt.

Irgendwann werde ich die Weiche stellen.

Der Versuch

von Jörg Schwenker (copyright)

Du bist eins mit meiner Natur
um Dich herum, mit Deiner Natur.
Du denkst nicht nur,
du fühlst den kühlen Seewind,
der den Hauch von Leben zu Dir herüber trägt.

Dein Geist wird frei für meine verborgenen Details.
Im Wechselspiel mit der Natur
findest Du Deinen inneren Frieden,
einen Frieden, der Dir Alles zurückbringt,
der selbst in den Tagen danach nicht von Dir lässt.

Solange – bis Du es wieder versuchst.

Zu den Trommeln ist gerufen

von Tom Delißen (copyright)

Dasein.
Unbequemer Nebel.
Es dreht sich darum, – wie jetzt zu leben. Das JETZT nun großgeschrieben.
Damit das Darum sich verändert.
Die Prämissen des Seins? Grundlegend fließend!
Bruch.
Abgrund.
Wasserfall.
Evolution.
Der Klang der Dinge!
Urklang in der Stille …

Noch eines von zu vielen Zielen. 
Im Spiegel all der Orte, die ersehnt.
Dasein! Tausendfach im Reigen unsrer Erde. Hier und Dort.
Suche nach dem Wissen über die Hingabe ans Leben.
Wieder, erneut. Alles hinter mir.
Doch Bruchstücke des gewollt Gewesenen noch gewahr in meinem Ich. Schmerzhaft.
Eine Trommel will ich bauen. Ton der Überwindung aller Pein. 
Klang meines Seins. Daseins.
Die Trommel wird mich halten.
Suchen werde ich.
Die Schatten all der hellen Felsen kunden. Das Lichterspiel der Dämmerung.


Die Insel empfängt mit dumpfer, feuchter Frauenwärme.
Geborgen fühl’ ich mich, mit meinem losen Wesen, den Gedanken in dem Kopfesrund. Allein und doch umsorgt. Umhüllt von günstg’er Freundlichkeit des Universums. Ich kann sie spüren, hier bei mir.
Der Wind trägt mich an Meer, das lächelnd mich begrüßt.
Trunken vom Gleißen all der Universen des Sandes in dem Mondenlicht, dämm’re ich durch Nacht und Traum, atme die Nähe Afrikas, vernehm’ die Löwen tief in meinem Herzen, rieche den herben Duft der Antilopen.

Eine Trommel will ich bauen. Hören lassen nicht zu Lauschendes.
Verstehen machen die Unendlichkeit.

Der grüne Wald der Berge ruft, – ich folge. Hin, in warmes Licht, in die Umarmung des Lebendigen, der Natur, erstanden aus dem Sternenstaub.
Der Baum, der mir den Korpus kündet, klingt süß im schwülen Wald. Ich finde ihn ganz unbewusst. Wie schwebend tanze ich durch weichen Schwamm, das Farnendicht im Wald.
Es gibt sich hin, das Holz, das starre Atmen, lässt Formen in sich prägen, bewusst sich selbst, – es wird der Träger süßen Schalls. Mein Menschentun hinterlässt viel mehr als Ahnung in dem Stamm; er wird, wie Holz nur selten wird, fortan, so er nur möchte, zum Überbringer erdger Klänge, dem zarten Hauch der Ewigkeit.

Doch gibt sich gleichfalls hin mit ganzem Leib und auch der Seele, ein Hase, der nur leise ahnt, dass seine zarte Leibeshülle den Ton zur Huldigung an die Naturgewalten bahnt.
Sein Fell wird mit dem alten Holze zittern, wird vibrieren, diesen Lobgesang zu zelebrieren, allem Leben hier zu sagen: Mutter Erde liebt Euch, ohne Fragen.

Eine Trommel möcht’ ich bauen.

Realitäten

von Tom Delißen (copyright)

„Raus hier! Weg.!“
Sie schrie sich diese Worte selber zu. Wusste jedoch um ihre Kurzlebigkeit.
Nur Sekundenbruchteile an ihrer Lippe. Nicht länger.
Das war die Realität.
Verbissen kämpfte sie mit der Drahtschere und dem Stachelzaun, den Schneewehen und ihren halb erfrorenen, gefühllosen Händen.
Immer wieder blies der Wind ihr harte Schneekörner in das Gesicht, so heftig, dass sie wirklich weh taten.
Dann die harte Hand auf ihrer Schulter.
Das hämische Lachen.
Der schmerzhafte Stoß, der sie auf den Rücken warf.
Die Kälte des gefrorenen Bodens. Nach einer Weile im Schnee liegend, die Taubheit ihrer Wangen. Der Geschmack von Metall im Mund.
Nun wurde sie an den Haaren hochgerissen.
Sah den Soldaten, seine fehlenden Zähne, seinen gierigen Blick.
Das war die Realität.
Sein Gewicht auf ihrem Körper.
Der Gestank nach billigem Fusel.
Die Drahtschere in ihrer Hand.
Der blutige Hinterkopf.
Die roten Tropfen im Schnee.
Der Schuss aus der Waffe des zweiten Soldaten.
Und flauschiger Frieden.
Für immer.

neuzeit

von Tom Delißen (copyright)

hinfortgetrieben
hinunter
den fluß der
menschlichen vergänglichkeit.
der eisblock
der erinnerung
in dem soviel
zwang und schmerz
gefroren.
ketten sinken auf den
wassergrund,
wege winken
ziel im
frischen wind.

aufgewacht.

Fallweise

von Manfred Ach (copyright)

Wir fallen
durch die Stille der Spiegel,
wir sind nicht wirklicher
als fallende Bilder,
gläserne Blätter einer Chronik,
die sich lösen und fügen
nach dem Gesetz der Blicke,
die sich in uns
sehen.

Engel

von Manfred Ach (copyright)

Er fährt mit, den ganzen Tag.
Er verscheucht den Tod an der Kreuzung.
Er verhindert die Misshandlung in der U-Bahn.
Er nimmt dem Hass das Messer aus der Hand
und lenkt die Wut ins Wirtshaus.

Er schenkt der Verzweiflung eine Umarmung.
Er dreht die Spitze des Spötters um.

Er raubt der Schwermut das Gift.

Er gibt dir in peinlicher Stille das Wort.
Er bringt dich zum Berg, Ergebnis der Abgründe.

Manchmal, da muss er
Federn lassen, schweißverklebte,
tränennasse, blutbeschmierte.
Bewahr sie gut auf, vergiss sie nicht.
Er fährt mit, die ganze Nacht.

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