Film-Tipp: „Der Untergang“
von Andreas Züll (copyright)
Es kann einem kalt den Rücken hinauf jagen, wenn die Kamera jenen Moment des Films erfasst, indem Hitler zum ersten Mal in Erscheinung tritt. Bruno Ganz, der eigentlich so sympathische Schweizer Mime, spielt das Böse in Person erschreckend menschlich. Und während man im Kinosaal sitzt und ihn über die Leinwand schleichen sieht, durch die dunklen Gänge, das monotone Licht in den leeren Augen, zwingt sich einem ein beklemmendes Gefühl auf, nahezu schon klaustrophisch. Beinahe schon erwartet der Zuschauer selbst den nächsten Einschlag und das Niederrieseln von weißem Staub von der Decke.
Aber Eichinger schildert mit seinem Film nicht nur den vollkommenen Untergang Hitlers selbst und der ihn umgebenden Personen, sondern auch den der Stadt Berlin und des deutschen Volkes, das sich im Endsiegwahn in der Schlacht um ihre Reichshauptstadt aufzureiben droht. Überall lauern der Wahnsinn fanatischer Mordkommandos, Verrat und russische Kugeln.
Während man mit dem Scheusal selbst zum unausweichlichen Ende hin wahrlich kein Mitleid mehr empfinden kann, ebenso wenig wie mit seinem hinkenden Minister Goebbels (kühl: Ulrich Matthes), nagt der Mord an den Goebbelskindern durch die eigene Mutter tief im Geist der Zuschauer. Diese Szene wird zum Sinnbild des irrsinnigen Weltbildes, dass sich in den Köpfen der Nazigrößen bis zuletzt festgesetzt hatte. Auch das Mitgefühl für die weltfremde und naive Eva Braun, gespielt von Juliane Köhler, hält sich in Grenzen. Wie ein verirrter Engel erhebt sich schließlich aus den Trümmern und dem Chaos Alexandra Maria Lara in der Rolle der Sekretärin Traudl Junge, aus deren Sicht die letzten Tage eigentlich erzählt werden. Sie steht zuletzt für ein verführtes, betrogenes Volk, das sich schuldig gemacht hatte, aber auch für einen Neuanfang.
Man verlässt das Kino stumm, in Gedanken. Innerlich aufgewühlt, traurig. Und mit einem großen Fragezeichen im Kopf.