Klirren im Kopf
von Urte Skaliks (copyright)
Etwas hat in meinem Kopf geklirrt, deshalb bin ich aufgewacht. Das kann doch nicht sein. Aber doch. Wie es war? Ein Klirren eben, ein helles dünnes Klirren. Zuerst dachte ich: eine zersplitternde Weihnachtskugel, so eine, wie es sie nur früher gab, heute sind sie doch unzerbrechlich. Weihnachten kommt ja auch erst. Etwas von früher, eine frühere Weihnachtskugel, etwas ist zerklirrt. Aber klangen diese Weihnachtskugeln so, wenn sie zerbrachen? Oder eher Glas, anderes Glas? Wenn ich es recht bedenke, ja, Glas, Glück und Glas. Kennen die Menschen heute noch das Sprichwort? … wie leicht bricht das? Glas wie von früher. Und es klirrt nicht selbst – oder doch? –, sondern erst wenn es aufkommt, wenn es unten auftitscht, hell klirrendes dünnes Glas, dünnes Glasglück, altes Glück, denke ich schon wieder. Und es braucht ein Echo, freie Luft, zum hellen Klirren. Welches Glück, welches Glas im Kopf, welches ist da zersplittert? Klirren im Kopf, Unsinn, das gibt es nicht. Glasklare Gedanken, zarte Gedankengefäße, zerbrechlich, dünn zusammengehalten, lautlos durchflossen. Wird es splitternd klirren, wenn dereinst die zarten Lebensgespinste bersten?
Noch sind sie es nicht, und doch hat es geklirrt, und ich bin erwacht und dachte an Glück. Und Glück wird immer neu: Leben.