Schönheit
von Tom Delißen (copyright)
Ein hehres Wort. Schön, – ein Epitheton. Ein Begriff, der schaudern läßt. Er beinhaltet genausoviel Negatives, wie Positves, möchte man meinen. Tatsächlich ist es so, dass der subjektive Geist des Menschen Schönheit in den meisten Fällen tendenziös empfindet. Es drängt sich der Gedanke an Schönheitsschübe auf, gleich Energieschüben, Energiezuständen, wie sie in der Quantentechnolgie als elektrischer Ladezustand gesehen werden. Denn die Zartheit, die Lieblichkeit, eben die Schönheit lässt sich immer wieder nur für winzige Augenblicke erleben. Sie manifestiert sich lediglich in Bruchteilen der Zeit, sobald man sich auf sie konzentriert, verändert sie sich. Sie existiert, lässt sich in ihren komplexen Ursachen und Strukturen mit unserem gewachsenen Denken jedoch nicht empirisch erklären. Auch hier können wir nur ahnen und unzulänglich beschreiben wie sie begründet ist. Wir müssen eine Unschärferelation einsetzen, um versuchsweise beschreiben zu können. Sobald wir das Objekt der Schönheit nämlich näher betrachten, bemerken wir, wie sich die Weisheit eines Pythagoras über das Viele und das Eine, das Zusammenwirken von Einzelstrukturen zum harmonischen Ganzen, manifestiert. Im selben Augenblick haben wir den einen Zustand des Bewusstwerdens der Schönheit verlassen, befinden uns in einem anderen. Betrachten wir den wabernden Pilz einer Atombombe, so erfüllt er alle offensichtlichen Vorraussetzungen der Schönheit, betrachten wir jedoch das Ganze, implizieren die Erkenntnisse über das menschliche Leben, die Einsicht in die Naturwissenschaften, die wir als Homo sapiens gewonnen haben, wird deutlich, wie relativ der Begriff “Schönheit” ist. Es tut sich die Verneinung dieser vermeintlichen Schönheit des atomaren Pilzes auf. Sehen wir diesen jedoch wiederum im Zusammenhang mit dem Universum, den Galaxien, großen Dimensionen, die ihn als Einzelerscheinung im Weltall bedeutungslos wirken lassen, gewinnt er seine Schönheit wieder. Das Faszinerende ist, dass sich dieser Prozess auch durchaus in die andere Richtung, zum Minimalen hin, nachvollziehen lässt. Betrachten wir eine Blume im Licht der Morgensonne anschließend unter dem Mikroskop, ist das eigentlich “Schöne” verschwunden. Fahren wir jedoch etliche Stufen in das mikroskopische Universum hinein, so taucht die Schönheit wieder auf, jedoch gleichermaßen umgestülpt, in vollkommen anderer Erscheinungsweise, doch aus derselben Urform entstanden. So ist zu hoffen, dass die Einflußnahme des technischen, wissenchaftlichen Fortschritts (der in unserer Zeit auch absolut auf die Philosphie einwirkt) ein Umdenken im kollektiven Bewusstein der Menschen bewirkt, uns befähigt, vielleicht sogar zwingt, unsere Augen ebenso für den unscheinbaren Anteil des Schönen, also seiner einzelnen Komponnten zu öffnen. Zu erkennen, dass die gesamte Schöpfung von Schönheit durchdrungen ist. Das Häßlichkeit nur ein Stadium, ein subjektiv bemessener Zustand der Schönheit ist. Es ergibt sich die Tatsache, am einfachsten veranschaulicht mit einem Blick durch ein Teleskop in das Weltall, das alles letztendlich wunderschön ist. Es ist nur eine Frage der Dimensionen und des Blickwinkels. Die Schöpfung ist das ureigenste Ich der Schönheit. Wir sind Teil der Schöpfung.