Papageien lügen nicht
von de Ginder (copyright)
Sie werden sich fragen , wie ich auf diesen Titel komme – gemach Freunde, ein kleines Weilchen und das Rätsel löst sich wie von selbst.
Mein Schachfreund Wolfgang und seine Frau, die gehen gerne auf Reisen seit er im Vorruhestand ist. Nun hat sich aber Wolfgangs Frau, die Inge, der Papageienzucht verschrieben und die Frage stellte sich, was machen die mit den Viechern, wenn sie dort hinfahren, wo dieses Federvieh eigentlich zu Hause ist.
Da kam ich gerade recht, ein nichtsnutziger Kerl, der den ganzen Tag seinem Hobby, dem Schreiben nachgeht, der mehr Zeit, als die Uhr Stunden hat.
Gerade letztens waren sie wieder verreist und ich durfte mich um die kleinen Hosenscheißer kümmern. Ja, hätten die mal Hosen an, oder könnte man die Gasse führen, dann wäre das mit dem Sauberhalten der Käfige ein Kinderspiel. So aber habe ich die ehrenvolle Aufgabe tagtäglich grüne Papageienkacke zu entfernen – und das spielt sich dann so ab: Der Käfig hat unten ein Schubfach, das zieht man heraus, rollt die vollgeschiessene Zeitung zusammen und entsorgt diese in einem blauen Drecksack. Anschließend werden frische Zeitungsteile auf den Boden gelegt, und diese mit Quarzsand bestreut, damit die durch die Erdanziehung zu Boden fallenden Papageienfäkalien aufgesogen werden. Eines hab ich dabei schon mal gelernt, nämlich dies, daß sich der Feuilletonteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorragend dafür eignet, durch Quarzsand sinkernde Papageiennässe aufzunehmen, da er ziemlich dick ausfällt.
Dann werden die Schreihälse, z.Zt. sind es vier Stück, jeweils zwei in zwei Käfigen, gefüttert. Zunächst bekommen sie frisches Obst, das gewaschen, entkernt und kleingeschnitten werden muß. Darüber hinaus werden Sonnenblumen- und andere Kerne oder Körner gereicht. Nicht vergessen darf ich die Hirsestäbchen, das täglich zu wechselnde Wasser mit jeweils zwei Tropfen K2, das ist so´n Zeug gegen die Papageienkrankheit, und einen Löffel Beofutter, das nach Rinderdung stinkt. Wenn ich aber sehe, was die mit dem Essen anstellen, dann frag ich mich doch, ob die das Futter vor lauter Bosheit auf den Boden werfen. Da wird mal am Apfelstückchen gelutscht und zack liegt das Ding schon auf dem Boden.
Ich kann ihnen nicht sagen was das für Arten sind, die Inge da hält, ich kann ihnen aber sagen wie sie aussehen: Die zwei Großen sind grün mit bunten Federn. Und die zwei kleineren Papageien nur grün mit frechen Schnäbeln und listigen Augen. Letzere können nicht sprechen, die krächzen nur. Mein anderer Schachfreund, der Manfred, der wohnt zwei Straßen weiter, der kann ihnen genau sagen, wann diese Kerle ins Freie auf die Stange gesetzt werden. Da sind lärmende Kinder eine Wohltat dagegen, ich hab es selbst schon mitbekommen.
Die zwei anderen Papageien, vielleicht sind das Ara´s, die können sprechen. Oder sagen wir es einmal so, der eine kann sprechen und der andere will nicht sprechen oder ist taubstumm geboren worden. Der eine namens Kora, Inges Liebling, der hat mich total überrascht. Als ich so die Blumen versorgte – das darf ich auch noch machen – klingelt plötzlich das Telefon und was glauben sie sagt der? Der sagt doch glatt: TELEFON! Und das nach jedem Tuten. Also hab ich mich mal mit dem Burschen beschäftigt, um herauszukitzeln, was der so alles drauf hat. Ich mußte ihm schon lange und gut zureden, aber dann am dritten Tag wurde er etwas zutraulicher und wir haben etwas Konversation getrieben, die ungefähr so vonstatten ging:
Ich: Hallo!
Kora: Na du!
Ich: Wie geht´s?
Kora: Alles klar
Ich: Na du!
Kora: Mach die Tür auf
Ich: Nee du, das geht nicht
Kora: Saftsack
Ich: Du bist aber ein böses Mädchen
Kora: Halt die Klappe
Ich: Dir versohl ich gleich den Hintern
Kora: Komm nur her du
Ich: Noch ein freches Wort und du bekommst morgen kein Frühstück
Kora: Hau ab
Ich: Du freches Luder
Kora: Komm her du!
Ich : Na was?
Kora: Korinthenkacker
Ich: Jetzt reicht´s aber
Kora: Schnauze, Lutscher
So in etwa ist unsere Unterredung verlaufen. Es kann sein, daß ich manches Wort mißverstanden habe, da dieser Papagei nuschelt, aber Saftsack hab ich z.B. ganz deutlich gehört.
Papageien sind ja furchtbar intelligent und so dachte ich mir, in den vierzehn Tagen, die Wolfgang und Inge weg sind, bringst du dem Burschen, Inge sagt es sei ein Mädel, ein paar neue Worte bei. Zeit hab ich ja genug, wie mir unterstellt wurde. Und so habe ich der Kora immer wieder den Satz “Schmeiß das Futter rüber, dicker Entenarsch” vorgesagt.
Und ich darf ihnen berichten, daß meine Lehrstunden von Erfolg gekrönt waren. Es ist nämlich so, daß ich bei dem letzten Urlaub von Wolfgang und Inge nicht mehr gefragt wurde, ob ich denn die Betreuung der Lieblinge übernehmen wolle. Vielleicht hab ich auch die Blumen kaputt gegossen? Mein Schachfreund Wolfgang sagte mir jedenfalls neulich bei einem Spiel, daß der Papagei ständig einen merkwürdigen Satz losließe und seine Frau nun wirklich keinen dicken Entenarsch hätte. Ich aber sage nur eines: Papageien lügen nicht!