Das Mädchen und der Hund

von Inga Rothe (copyright)

Das kleine Mädchen saß da, in ihrem Zimmer, fühlte sich allein gelassen und weinte vor sich hin. Heute ist ihr Papa ausgezogen und obwohl die Mama immer gesagt hatte, das sei nur eine Sache zwischen Erwachsenen und das hätte nichts mit ihr zu tun, verstand sie es dennoch nicht. Natürlich hatte sie ihre Mama noch, der Papa war sonst auch immer viel weg, aber das ist etwas anderes.
Dicke Tränen bedeckten ihr kleines Gesicht. Plötzlich stand die Mutter in der Tür, setzte sich ebenfalls auf das Bett und nahm ihr kleines Mädchen in den Arm. “Ach, Schatz, nun weine doch nicht, du kannst doch deinen Papa immer sehen, wenn du willst, er wohnt doch nicht so weit entfernt von hier.” Er bleibt auch immer dein Papa.”
Doch das kleine Mädchen konnte sich gar nicht beruhigen. Es fühlte sich so klein wie damals, als sie in den Kindergarten kam und die Mama sie dort allein lies!
Lange kuschelte und redete sie mit ihrer Mama, aber so richtig froh war sie dennoch nicht. Dabei war sie kein kleines Baby mehr, sondern schon ein Schulkind!
Sie durfte in den ersten Tagen bei ihrer Mutter schlafen und fand es ganz toll. Einmal bemerkte sie, dass die Mama auch mal weinte und da nahm sie sich vor, ab sofort groß zu sein! Schließlich musste sie nun die Mama beschützen, jetzt wo doch der Papa nicht mehr da war. Bei diesem Gedanken wollten gerade wieder ein paar Kullertränen kommen, aber sie wischte sie sich energisch fort.
Sie war schon immer ein stilles Kind, nun wurde sie noch stiller.

Irgendwann konnte die Mutter es nicht mehr mit ansehen, wie ihr Kind leidend in ihrem Zimmer Ass. Es war nicht dazu zu bewegen, hinaus zu gehen, um mit den anderen Kindern zu spielen und hatte eine Idee. “Wie wäre es, wenn wir uns einen Katze holen?”
“Eine Katze? Eine richtige Katze?” antwortete das Mädchen.
Irgendwie war das eine tolle Idee, sie sollte eine Katze bekommen, die nur ihr gehört, mit dem sie spielen, schmusen und knuddeln konnte..

Am nächsten Tag fuhren sie gleich nach der Schule in ein Tierheim. Viele Katzen waren da, miauten, spielten oder saßen nur in der Ecke und schliefen. Das kleine Mädchen konnte sich gar nicht satt sehen.
Als sie noch näher kamen, hörte sie gegenüber einen kleinen Hund winseln und schaute in den kleinen Zwinger.
Ein kleines braun – weises Wollknäuel Ass da zusammen gekauert und winselte vor sich hin. Schon waren die Katzen vergessen.
Voller Mitleid kamen dem kleinen Mädchen die Tränen und sie rief ihre Mama. “Mama, schau einmal, der arme Hund!”
Das hörte auch einer von den Pflegern und kam dazu. “Ja, Kleine, der arme Welpe ist zu uns gebracht worden, weil seine Hundemama ihn nicht haben wollte und nun sehnt er sich nach ihr.”
“Die Mutter wollte ihn nicht haben?” erwiderte sie entsetzt.
“Es war ein besonders großer Wurf, das passiert schon mal. Wir haben die kleine Jackie, so heizt sie, hier aufgenommen und müssen sie noch mit der Flasche aufpäppeln. Sie ist ja noch so klein.
Sofort viel dem Mädchen wieder ihr Papa ein, der auch fort war, aber ihre Mama hat sie behalten! Wie schön, dass ihre Mama sie so lieb hatte!
“Und was ist mit dem Hundepapa?” fragte sie den Pfleger.
Nun, weist du, die Hundepapas kümmern sich nicht so um ihre Kinder die wohnen irgendwo, vielleicht spielen sie ja auch mal mit den Kleinen, aber das ist selten.
“Darf ich Jackie streicheln?” fragte sie.
Natürlich durfte sie und sie konnte gar nicht genug bekommen. Die kleine Jackie winselte nicht mehr, sondern leckte dem kleinen Mädchen die Hände und über ihr Gesicht. Kuschelte sich richtig an und man merkte, dass sich der kleine Welpe geborgen fühlte.
Mama zwinkerte dem kleinen Mädchen zu:
“Na, die kleine Jackie möchtest du wohl gerne mitnehmen, oder?”
“Mama, darf ich? Ich werde sie auch versorgen, aber was ist, wenn ich in die Schule muss?” Sofort verdunkelte sich ihr Gesicht wieder.
“Ach, Schatz, ich bin doch auch noch da!”
Jubelnd fiel sie ihrer Mutter um den Hals. Was war sie doch ein glückliches Kind, hatte eine Mama und einen Papa, wenn der auch nicht bei ihnen wohnte.

Zuerst wollte die Pfleger den Hund noch nicht hergeben. Da es auch noch nicht sicher war, dass er überleben würde. Nachdem die Mama mit ihr ein langes Gespräch führte und auch versicherte, dass sie mit dafür sorgen wollte, dass es der kleinen Jackie gut gehe, durften sie den Hund abholen, sobald sie alles zusammen hatten, was man für so einen kleinen Hund brauchte.
Sie kauften eine Hundebürste, ein Halsband, Leine, Futternapf, eine Babyflasche Körbchen usw.
Danach holten sie das kleine Bündel ab, aber nicht ohne genaue Fütterungsanleitung.

Man konnte zusehen, wie aus dem kleinem Wollknäuel eine schöne Hündin wurde, die fröhlich bellend hinter dem einst so ruhigen kleinem Mädchen hinterher lief. Oft sah man sie auch mit ihrem Papa, wenn sie alle drei über eine Wiese tobten.
Tränen oder Traurigkeit gehörten der Vergangenheit an …

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