Bin so allein
von Paola Reinhardt (copyright)
Hastende Schritte über feuchtglitzerndem Asphalt
ihr dumpfes Echo hallt von Häuserfronten wider
die entkleidet vom Neonlicht der bunten Reklame
zwischen Heute und Morgen ihr tristes Dasein frönen
die kleine Stadt schläft und versteckt ihre Einsamkeit
in toten Fensternischen und dunklen Hauseingängen
ich aber weiß nicht wo ich meine lassen soll
schaue verzweifelt hoch zum sternenlosen Nachthimmel
der dicht über den erkalteten Schornsteinen liegt
und die Mondsichel von gestern verschluckt hat
Der zweite Glockenschlag vom nahen Kirchturm
lässt Gänsehaut auf meinen Armen wachsen
ich sehe mich erschrocken um und überlege
ob die Angst bereits eine Gestalt hat die mir folgt
das blonde Tangamädchen auf der Litfaßsäule
scheint auch zu frieren genau wie ich
ziehe den Kopf noch tiefer zwischen die Schultern
als könnten sie mich wärmen und vor der Nacht verbergen
Während ich den Weg durch die einsamen Straßen fortsetze
folgt mir ein fremder Hund auf Schritt und Tritt
jetzt reibt er sein Fell an meine Wade
als wollte er mich mit Schmeicheleien bezirzen
ihn mitzunehmen um ihm Asyl zu gewähren
dabei suche ich selbst eine Bleibe für diese und kommende Nächte.