Jäger und Sammler oder: Der Fortschritt

von Urte Skaliks (Copyright)

“Du Weib sollst heut den Baum ent-asten,
die Zweige bündeln, heim die Lasten
zum Schuppen tragen und, wo’s trocken,
hoch stapeln, erst danach dich hocken
an’n Tisch zum Kneten – mit dem Teige;
laß deine Hände bis zur Neige
des Tages Brotteig gründlich kneten.
Du kannst ihn auch mit Füßen treten,
wenn allzu schwer die Mühsal würde -
nicht du allein trägst schwere Bürde.
Als Mann muß ich zum Jagen hasten,
ich trage der Familie Lasten
und muß beim Ansitz mich bewähren -
ein großes Wild bringt große Ehren.”

Frau Mutter blieb allein zu Hause
und ging nach einer guten Jause
zum Waldrand hin mit einem Beilchen,
schlug Ästchen ab so manches Weilchen.
Sieht plötzlich, an des Stämmchens Runde,
wovon als einem großen Funde
sie abends an der Feuerstätte
den Frau’n erzählt, denn dies, das hätte
noch keine vor ihr je gesehen,
doch bald würd’ jede darauf stehen:

“Ich habe heut den Quirl erfunden
und hab’ schon Ruh’ seit vielen Stunden.
Mein Teig war fertig, glatt im Nu,
mein Werk getan, der Ofen zu,
gezaubert fast war’n Brot und Sahne.
Und, Frauen, was ich nun noch ahne:
daß dies, das ihr als erste kennt,
daß also dieses Instrument
uns liefert, was nur Jäger kannten,
- die gern auf Ansitz immer rannten -,
dies Instrument gibt Muße denen,
die sich so sehr nach Freiheit sehnen.
Und Mann und Weib sind endlich quitt,
erfand ich doch die Freizeit mit.”

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