Mein Messie-Leben

von Urte Skaliks (Copyright)

Die Freundin einst
mit einundzwanzig
gab ihre Spachtel her:
Sie wollt‘ sie nie mehr
nutzen.

Erschreckt nahm ich sie
hin bewahrte sie
in Jahresläuften
mit vielem andren auf.
Wer weiß wofür sie
gut sein könnten?

Ich hatt‘ verloren
Heimat Spielzeug
Bettzeug Freunde
Kindheit alles weg:
Geblieben festzuhalten
war das Leben.

Nichts wegtun alles
aufbewahren
Knöpfe Flaschen Dosen
Sprühverschlüsse Korken
Bücher Bilder Bücher
Zeitungsschnipsel:

Schon nutzt‘ ich viel
doch vieles
ließ erleichtert atmend
ich auch los.

Ich leere mühsam
eine Truhe sie
woanders aufzustellen
stelle ab die leere.
Neu sie füllen: endlich
die Gelegenheit!

Zum Spatel nicht
jedoch zur
Feder greif‘ ich
nun im Alter.
Ich kaufte großen
„Speicherplatz“:

Der reicht für’n
langes Leben.
Ich brauch‘ nicht viel
mehr loszulassen
bis ganz zuletzt, nun,
dieses eben.

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