Alptraum
von Christian Innerhofer (Copyright)
„Immer wenn ich von dir träume, ist es ein Alptraum“.
„Das wundert mich überhaupt nicht“, sagt Lena, ein Lachen vortäuschend.
„Das sollte es aber. Darüber kannst du dich doch nicht freuen“?
„Ich habe nicht gesagt, dass ich mich darüber freue. Ich habe bloß gesagt, dass es mich nicht wundert“, erwidert Lena patzig.
„Und wieso sagst du das“?
„So halt“. Lena lacht wirklich.
„Was muss eine Frau einem Mann angetan haben, dass er Jahre später noch wie erschlagen aufwacht und von Depressionen verfolgt wird, nur weil er von dieser Frau träumt“?
„Du meinst, was hab ich dir angetan? Tja, das weißt du ja. Du warst mir halt zu langweilig, zu wenig Mann“.
„Ja, ich weiß, und trotzdem“.
„Du musst einfach mal wieder richtig ficken“, sagt Lena und lächelt wieder süffisant.
„Nein, das ist es nicht. Ich muss etwas lieben können. Aber ich kann nicht einmal mehr dich lieben. Du bist geworden, wie ich dich nie gewollt hätte. Das ist das Schlimmste an allem. Schlimmer, als dass du mich verlassen hast. Und schlimmer als die einsamen Nächte. Das hast du mir angetan. Und ich weiß, es ist dir egal. Ich kümmere dich nicht. Es macht keinen Unterschied mehr, ob ich da bin oder nicht. Für dich. Das ist das Deprimierendste“.
„Ja ja, ich weiß, ich bin ganz böse. So bin ich halt.“
„Ja, auch wenn du das jetzt nicht ernst meinst, bist du tatsächlich so. Und weißt du, was ich geträumt habe?“
„Nein, und es interessiert mich auch nicht. Was willst du eigentlich?“
„Ich erzähle es dir trotzdem. Du hattest gerade einen ONS gehabt und ich war, ich weiß nicht warum, irgendwie bei dir. Ich hab zu dir gesagt, ich dachte nicht, dass du eine für eine Nacht bist. Du hast mir widersprochen und gesagt…“
„…dass ich es tun würde, wenn sich die Gelegenheit ergibt und es ein toller Mann ist“, fällt Lena mir ins Wort.
„Nein, das hast du noch nie gesagt, aber das ist auch egal. Wir haben dann ich weiß wieder nicht warum über große Schwänze geredet und wie das für die Frau ist. Und du hast gesagt…“.
„…dass das nur eine Frage des Trainings der Vagina ist. Die ist wie ein Kondom, das legt sich um jeden Schwanz, egal wie groß er ist“, fällt Lena mir noch einmal ins Wort. „Ich hatte einmal einen mit einem Riesenschwanz, ich meine nicht nur die Länge, sondern den Umfang. Das war auch kein Problem.“
„Ich habe geträumt, wie du es mit anderen Männer treibst. Das hat mir das Herz gebrochen“, sage ich und weine. Aber ich weine nie in der Wirklichkeit. Und ich kann mich nicht einmal erinnern, wann ich das letzt Mal geweint habe. Und weiß deshalb, dass alles nur ein Alptraum ist, aus dem ich irgendwann erwachen werde.