Besucher
von Annika Senger (Copyright)
Hallo F.,
letzten Mittwoch ist mir eine Sache passiert…. Wenn ich daran zurückdenke, läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter. Ich bin mir gar nicht sicher, in welche Schublade ich diese Geschichte überhaupt einordnen soll. Am ehesten plagt mich ja die Vermutung, daß ich total geisteskrank bin! Wenn ich dir von dem besagten Erlebnis erzähle, wirst du mir sicherlich zustimmen. Eigentlich fing alles damit an, daß mich kurz vor sechs in der Früh dieser nervtötende Berufsverkehr aus dem Schlaf gerissen hat. Jeden Morgen derselbe Krach. Wenn ich könnte, wäre ich längst ins Grüne gezogen! Aber darüber habe ich mich ja schon hunderttausendmal bei dir beschwert, und ich konnte auch wieder nichts anderes tun, als noch ein paar Minuten vor mich hinzudösen. Natürlich versuche ich jeden Morgen krampfhaft, neuen Schlaf zu finden, doch meistens gelingt es mir nicht. Eddie meint, ich wäre in solchen Dingen hypersensibel. Ich kann noch nicht mal seinen tickenden Wecker ertragen! Außerdem ist es ja morgens im Mai schon total hell im Zimmer. Da konnte ich die Augen beim besten Willen nicht länger geschlossen halten.
Und stell‘ dir mal vor, was ich in dem Moment für eine Entdeckung gemacht habe: Auf dem Couchtisch standen zwei nicht mehr ganz volle Rotweingläser, und daneben lag eine angebrochene Tüte Chips. Wie die Sachen da hingekommen sind, ist mir immer noch ein Rätsel. Auf jeden Fall hat da jemand eine riesengroße Sauerei hinterlassen! Die Tischplatte war mit Weinflecken besudelt, die Flasche lag auf dem Teppich, und mit Chipskrümeln hatte man auch nicht gerade gespart. Dabei hatte ich Dienstag abend überhaupt keine Gäste. Zum Abendessen hatte es auch nur Kohlsuppe gegeben (mache mal wieder Diät). Noch nicht mal Eddie hat bei mir gepennt, was er in letzter Zeit eh nur noch selten tut. Soweit ich mich entsinne, habe ich gelesen und bin früh ins Bett gegangen. Aber darüber habe ich Mittwoch morgen nicht nachgedacht. Die Rotweingläser und die Chips habe ich seltsamerweise als normal empfunden. Erst als auf einmal meine Wohnungstür ins Schloß geworfen wurde, habe ich richtig Muffensausen bekommen. Ja, so ist es wirklich gewesen! Ich hätte echt nicht gedacht, daß ich jemals in eine solche Situation geraten würde! Zuerst habe ich versucht, mich zu beruhigen. Wer bricht denn schon in ein Ein-Zimmer-Apartment ein? Erst recht in einem Studentenhaus! Als Einbrecherin würde ich mir bestimmt eine noblere Gegend als dieses häßliche, runtergekommene Ghetto aussuchen! Ich glaubte schon fast, ich hätte mir das Geräusch nur eingebildet, aber da standen sie schon mitten im Zimmer: ein Mann und eine Frau. Ich kann dir schwören, ich hatte die beiden noch nie gesehen. Am liebsten wäre ich aus den Federn gesprungen und hätte das ganze Haus zusammengebrüllt. Aber das hätte wohl nichts genützt. Selbst wenn diese beiden Gestalten mich abgestochen und gevierteilt hätten, wäre mir bestimmt niemand zu Hilfe geeilt.
Viele Nachbarn scheinen sich schon gestört zu fühlen, wenn ich sie nur auf dem Gang oder im Fahrstuhl grüße, und meine direkten Nachbarn sind mir noch nie über den Weg gelaufen! Also, sollte ich hier wider Erwarten tot umfallen, würde man mich erst finden, nachdem sich der Verwesungsgestank bis auf den Flur ausgebreitet hat. Mittwoch morgen war ich davon gar nicht mehr so weit entfernt, kann ich dir sagen! Mein Herz schlug Pauke, aber ich konnte nichts anderes tun als mich schlafend zu stellen. Wer weiß, was dieses Pärchen getan hätte, wenn ich zum Telefon gerast wäre und die Bullen gerufen hätte! Also habe ich unter meiner Decke gezittert und sie mit halb zugekniffenen Augen beobachtet. Sie sahen aus, als würden sie von einer Party kommen. Die Frau trug ein neonpinkes Minikleid. Total figurbetont und im Nacken geschnürt. Aufdringlich fand ich ihren lila Lippenstift. Und dann dieser schweinchenrosa Nagellack an der linken Hand! Die Finger der rechten Hand waren alle schneeweiß lackiert. Ihr hochgepushter Busen war kurz davor, aus dem Kleid zu springen, und ihre grünen Katzenaugen starrten mich feindselig an. Sie mußte mich mit jemandem verwechselt haben! Ich kenne keine Frau, die ihre Augen mit so fetten schwarzen Lidstrichen umrandet wie diese Dame. Außer vielleicht mich selbst, wenn mich mein flüssiger Eyeliner morgens vor dem Spiegel ärgert. Ich hatte ihr jedenfalls keinen Grund gegeben, mich auffressen zu wollen. Beinahe hätte ich sie für Barbie gehalten, wenn sie weniger Lidschatten und Make-Up getragen hätte. So ähnelte sie eher Sarah Connor. Ach ja, langsam bin ich wieder fähig zu Scherzen! Aber als ich so hilflos in meinem Bett lag… Ich versuchte, das Biest zu ignorieren und fixierte ihren Begleiter, dem sie unverständlich leise Worte ins Ohr flüsterte und mich dabei die ganze Zeit im Blickfeld behielt. Eigentlich glaube ich ja nicht an Gott, aber in dem Moment fing ich an, in Gedanken zu beten: „Lieber Gott, mach‘ mich bitte, bitte unsichtbar, und schaff‘ mich sofort raus aus diesem Zimmer!“ Der Kerl an Sarahs Seite (ich erlaube mir, die Tussi so zu nennen) erinnerte mich an einen ehemaligen Mitschüler: klein, dick, Pausbacken, Nickelbrille und mindestens einen Kopf winziger als Sarah. Das war auch kein Wunder, weil ihre Füße in zehn Zentimeter hohen Stöckelschuhen steckten, die sie, hinterhältig, wie sie war, in meinen Teppich bohrte. Wenn ich in dem Augenblick nicht so vor Angst gelähmt gewesen wäre, hätte ich der Schlampe gerne links und rechts eine geballert! Ihr Begleiter schoß mir sein fiesestes Grinsen ins Gesicht. Genau wie damals in der Schule, wenn Maximilian sich mit den Klassen-Kings gegen die Außenseiter verbündet hatte, um nicht selber ins Messer zu rennen. Habe ich dir nicht schon von Maximilian erzählt? Ich hab‘ ihn grundsätzlich Mini genannt, woraufhin er immer rot wurde wie eine Tomate. Wenn er wütend war, hat immer seine Unterlippe gezuckt. Aber eigentlich war Mini ein ganz netter Kerl, wenn er nicht so ein verfluchter Speichellecker gewesen wäre.
Dieser Typ in meinem Zimmer sah aus wie Mini im Konfirmationsanzug. Oder wie Mini beim Fasching, verkleidet als Bänker-Azubi. Er stand regungslos da. Seine Augen tanzten auf der Stelle hoch und runter. Wirklich, als würden die Pupillen wie kleine graue Glühbirnen vor einer weißen Wand auf – und abschwirren. Es muß an den Pupillen gelegen haben, daß mich das Bild so erschreckte. Die Pupillen waren nämlich das einzige, was sich an Mini bewegte. Er glotzte mich einfach nur an! Seine Augen stürzten sich in mich wie Preßlufthämmer, um es mal ganz überzeichnet auszudrücken. Ich bin gezwungen, dir solche Vergleiche vor Augen zu führen, damit du dir vorstellen kannst, wie ich unter dem Anblick dieser lebendigen (?) Wachsfigur leiden mußte!Das Zimmer hatte er anscheinend gar nicht wahrgenommen. Auch Sarah interessierte ihn nicht die Bohne. Selbst wenn sie vor ihm einen Striptease aufs Parkett gelegt hätte, wäre sein Blick wahrscheinlich an mir kleben geblieben. Ich fragte mich, wer in meinem Bekanntenkreis so niederträchtig gewesen sein konnte, mir diese beiden Gestalten auf den Hals zu hetzen. Wie ich die Frage auch drehe und wende, so finde ich doch keine Antwort. Ich bin blaß, langweilig, durchschnittlich und absolut konfliktscheu. Wer sollte also böse Absichten gegen mich hegen? Und woher kam auf einmal dieses Hundegebell? Laut Mietvertrag ist Tierhaltung hier im Bunker strengstens verboten, aber das Gekläffe war aller Wahrscheinlichkeit nach bei mir im Haus. Auf dem Flur… Vor meiner Wohnungstür… Im Flur meiner Wohnung! Das Vieh schlug mit der Pfote die Türklinke bis zum Anschlag runter und trabte in mein Wohn –/ Schlafzimmer. Ich versuchte mich zu kneifen und schrie ohne Worte: „Ein Traum! Das ist alles so surreal, das kann nur ein fieser Alptraum sein! Wach zum Teufel endlich auf!“ Aber ich scheine nicht geträumt zu haben. Ich habe ganz klar und deutlich gespürt, wie der Riesenköter seine Vorderpfoten auf mein Bett gepflanzt und sie mir mit Wucht gegen die Knie gedrückt hat. Er hatte gelbbraune Augen. Ein dunkler Kampfhund. Ob Rottweiler, Dobermann oder Mastino – such dir einen aus. Ich habe immer noch keine Ahnung von Hunderassen. Na ja, egal. Wenn ich vorher noch keine Todesangst im Nacken gehabt hatte, dann hatte ich sie auf alle Fälle jetzt. Du weißt ja, daß ich eher Katzenmensch bin und vor großen Hunden schon flüchte, wenn sie mich nur hinter Gartenzäunen ankläffen. Und jetzt trennte mich kein Meter von der sabbernden Schnauze dieses Tieres, das mich anstarrte, als würde es meine Angst erkennen und diese Information telepathisch an Sarah und Mini weiterleiten.
Sarah kniete plötzlich vor diesem Idefix nieder, als letzterer mir immer noch seine Pfoten gegen die Knie rammte. Sie schmiegte ihr abartig angepinseltes Gesicht an Idefix‘ Brust und klammerte ihre nackten Arme um seinen Hals. Auf einmal fing sie jämmerlich an zu heulen! Als wäre ihre Oma oder ihr Wellensittich gestorben, sie weinte sich regelrecht die Augen aus! Ich versuchte, sie innerlich auszulachen. Auch wenn ich kurz davor war, mir vor Angst in die Hose zu machen, konnte ich die Szene vor meinen Augen nicht mehr ernst nehmen! Wahrscheinlich liest du gerade diesen Brief und liegst rotfl (Chatter-Sprache). Ist es nicht so? Du hältst mich sicher schon für klapsenreif. Du denkst bestimmt, ich hätte halluziniert. Wäre meiner Meinung nach auch total berechtigt. Wenn ich in dem Augenblick gekonnt hätte, wäre ich freiwllig in die weiße Weste gekrochen und hätte mich von vier starken Jungs einliefern lassen, nur um aus meiner Bude zu verschwinden! Die Sache war mir zutiefst unheimlich. Und als dann Sarah auch noch hysterisch lachte und gleichzeitig immer noch heiße Tränen vergoß… Ihr Eyeliner floß ihr die Wangen runter. Da wurde mir erst bewußt, wie viel schwarze Farbe sie sich unter die Augen geschmiert hatte! Rouge und Make-Up wurden überschwemmt bis runter zu den Mundwinkeln, bis Idefix sich aus ihrer Umarmung befreit und sie mit seiner rosa Zunge von dem grauen Matsch auf ihren Wangen erlöst hat. Ihr Gesichts-Make-Up hatte in Idefix‘ Fell Spuren hinterlassen. Also, wie kann eine Frau sich bloß so viel Make-Up ins Gesicht kleistern? Ist es wegen der aufgestylten Tussis in den Medien? Wegen der Kosmetik-Industrie, die uns zu Konsumsklavinnen degradiert? All diese retouchierten Bilder, die uns ihren Willen aufzwingen, bis wir nicht mehr wir selber sein wollen! Ich sah Sarah in dem Moment als Opfer dieser Maschinerie. Von Idefix blank geleckt wie ein Glatzkopf, wirkte sie nicht hübscher als das Mauerblümchen, das ich früher einmal war. Bevor ich mit 19 dem Schönheitskult verfallen bin, um von aller Welt geliebt und anerkannt zu werden! Sie hielt mir einen Spiegel vor die Nase. Unter meiner Maske versteckt sich noch immer eine graue Maus, dieses Bauerntrampel, das ich einfach nur abstoßend finde! Ich wollte es nicht wahrhaben, aber das Biest in meinem Zimmer hat mir meine Schwäche wieder vor Augen geführt. Oder ich habe es in ihren erbärmlichen Anblick rein interpretiert.
Ach ja, ich wünschte, das wäre nicht passiert, denn dann müßte ich nicht ununterbrochen über meine Makel sinnieren. Ich habe doch schon eine Therapie und drei Sitzungen beim psychosozialen Dienst für Studierende hinter mir! Ich will nicht wieder in dieses Loch fallen! Seit Tagen bin ich total depri! Zuerst dachte ich, es würde daran liegen, daß ich bald meine Tage bekomme, aber dann ist mir klar geworden, daß meine Therapie total erfolglos war. Alles was ich bis jetzt in meinem Leben angepackt habe, zieht mein Hirn durch die Scheiße! Fakt ist, daß meine „Leistungen“ nichts zählen. Noch nicht mal dieses „Sehr gut“, was ich für meine Magister-Arbeit einheimsen konnte!
Als Mini dann auch noch auf Sarahs Rücken kletterte und sich huckepack bis zum Schreibtisch schleppen ließ, wo er von ihr abstieg und meine Gedichte unter seinen Plattfüßen zertrampelte, ist mir endgültig bewußt geworden, was für eine elende Versagerin ich bin. Gedichte, die die Welt nicht lesen will. Keiner will sie abdrucken, und Mini gibt ihnen mit seinen Käsequanten den Rest!
Obwohl Sarah jetzt blaß war wie eine Friedhofslilie, nahm sie sich immer noch ein hochnäsiges Grinsen raus. Dann stolzierte sie zum Tisch und nippte an einem der beiden Weingläser. Natürlich verzog sie sofort das Gesicht, und wenn mir nicht rein bildlich gesprochen die Hände gebunden gewesen wären, hätte ich ihr spätestens in dem Moment den Hals umgedreht: Sie erdreistete sich tatsächlich, den Rest Wein auf meinem Teppich zu verschütten und danach das Glas zu küssen! Daraufhin tanzte Mini freudestrahlend um sie herum und schnitt mir Grimassen. Ich konnte nicht mehr! Ich konnte es überhaupt nicht mehr ertragen! Ich mußte mich sofort auf die andere Seite drehen! Ich wußte, sie würden mich nur noch mehr quälen, solange ich sie heimlich beobachtete. Wahrscheinlich hatten sie es von Anfang an gemerkt. Ihretwegen fühlte ich mich auf dem Bettlaken zerfließen und im Stoff versickern. Irgendwann muß ich mit diesem Gefühl eingeschlafen sein. Ja, ich schwebte wohl gerade über der Schwelle zwischen Schlaf und Wachzustand, als eine feuchtkalte Hand meinen Kopf in die Matratze gedrückt hat. Es war, als würde mir jemand den Atem abschnüren. Bis um viertel nach sieben der Wecker piepte…Ich hörte Musik aus der Wohnung nebenan. So was kommt echt selten vor, denn meistens werde ich eher Ohrenzeugin, wenn mein Nachbar sich zu jeder Tages – und Nachtzeit mit seiner hysterischen Freundin zofft. Doch Mittwoch morgen war alles anders: Nur die dröhnenden Autos und von weitem ein Lied, das wie „From Sarah with Love“ klang. Während ich langsam die Augen öffnete und sie gar nicht von der Wand abwenden wollte, hatte ich den Eindruck, Sarah, Mini und Idefix wären nie in meiner Bude gewesen. Ich mußte wohl doch schlecht geträumt haben. Die Geschichte wäre einfach zu absurd, wenn sie wirklich so passiert wäre, zumal meine morgentlichen Besucher überhaupt keinen Schrank durchwühlt oder Geld aus meinem Portemonnaie geklaut hatten. Sie hatten gar keine Ambitionen, mich auszurauben. Ich bin doch nur eine arme Studentin, die gerade unheimlich tief im Prüfungsstreß steckt. Bei mir gibt es nichts zu holen! Außer vielleicht meine Nerven…
Die gingen mir übrigens endgültig abhanden, als ich mich umgedreht hatte und auf dem Tisch zwei glänzende, sauber gewaschene Weingläser entdeckte. Ein drittes lag zerbrochen in der Schale für Knabbereien. Sarah, Mini und Idefix hatten die Kurve gekratzt.
Und wenn du mich jetzt nach der Chips-Tüte fragst: Die hatte sich auf den Schreibtisch zwischen meine Mappen mit dem Prüfungsstoff verirrt. Was weiß ich, wann und wie die da hingeraten ist! Ich habe mir jedenfalls schon lange keine Chips mehr gekauft, aber weil sie total leer war, hätte man meinen können, ich würde mich mit dem Zeug vollstopfen! Genauso wenig wollte ich mich mit einer Flasche Wein betäuben. Ich werde erst wieder Alkohol trinken, wenn ich die letzte Prüfung mit Bravour bestanden habe. Hoffentlich! Ehrlich gesagt kann ich seit Mittwoch nicht mehr konzentriert arbeiten. Nachts mache ich kein Auge zu, weil ich Schiß habe, daß Sarah, Mini und Idefix wieder vor meinem Bett stehen könnten. Sobald ich draußen einen Hund bellen höre, möchte ich meine Beine in die Hand nehmen und zum Mond rasen! Als heute mittag eine Einladung zum fünfjährigen Klassentreffen in meinem Briefkasten steckte, habe ich sie noch im Hausflur in tausend Stücke zerrissen. War eh nie scharf darauf, die Leute wiederzusehen! Ich hätte ja sowieso nichts vorzuweisen. VIVA hätte sich auch gestern abend im Fitneßstudio das neue Video von Sarah Connor sparen können. Ist ja für dich nichts neues, daß ich die Frau nicht ausstehen kann, aber seit Mittwoch foltern mich ihre Lieder noch Stunden später, verfolgen mich überall hin, und die Refrains gruppieren sich fugenartig übereinander. Sogar in meinen Träumen! Ist das nicht krank? Du mußt doch auch zugeben, daß ich nicht mehr richtig ticke. Stell‘ dir mal vor: Jeden Morgen, wenn ich von den Autos aus dem Schlaf gerüttelt werde, verkrieche ich mich sofort panisch unter der Decke. In der Luft hängt oft ein Hauch von saurem Rotwein, billigem Parfum und nassem Hundefell… Ich höre, wie direkt neben mir eine Frau kichert und irgendwo im Haus ein Hund bellt. Manchmal greift auch die eiskalte Hand nach meinem Hals. So wie jetzt in diesem Moment. Von Mal zu Mal drückt sie fester zu, und ich kann mich nicht mehr rühren! So wie jetzt, während ich dich mit diesem Brief in mein Geheimnis einweihe. Wie oft noch, F.?
Deine S.