Das schwache Geschlecht – und wie Man(n) damit umgeht

von de Ginder (Copyright)

Wie heißt es so schön – die Frauen sind das schwache Geschlecht. Dies dachte ich auch, bis ich verheiratet war. Ich möchte nur mal wissen, wer so einen Blödsinn in die Welt setzt, von wegen schwachem Geschlecht und so – wahrscheinlich irgendwelche unbedarften Junggesellen oder Junggesellinen.
Unter schwach stellt man sich ja bekanntlich solche Eigenschaften vor wie, zerbrechlich, hilflos, entscheidungsunfreudig, körperlich nicht belastbar etc. Wie man sich doch täuschen kann.
Als wir geheiratet hatten, bezogen wir nach den Flitterwochen ein kleines Häuschen am Stadtrand. Arbeitsteilung war angesagt – ich kümmerte mich um die Außenanlagen und meine Frau schmückte das Innenleben unseres neuen Heimes. In der Fachwelt würde man sagen, ich war für die Hardware zuständig und sie für die Software. Aber irgendwie funktionierte diese Software nicht so, wie man sich das für gewöhnlich vorstellt, jedenfalls mußte der Programmierer die Bytes und Bits für das Wort “Ja” verschlampt haben. Oder aber das Programm hat sich selbst umgeschrieben. Was weiß denn ich, jedenfalls wurde dem Kapitän des Schiffes, also mir, das Kapitänspatent entzogen und ich fristete künftig ein Dasein als einfacher Matrose. Ich möchte nur ein kleines Beispiel dafür bringen, dass ich hier die Wahrheit und nichts als die Wahrheit erzähle.
Wir waren auf einer Verkaufsausstellung der malenden Zunft, um unser Wohnzimmer mit einem schönen Bild zu versehen. Gleich zu Beginn stach mir ein Bild ins Auge, welches eine Dünenlandschaft im wellenplätschernden Abendrot zeigte. Ich konnte mir gut vorstellen unter diesem Bild von des Tages Mühsal auszuspannen. Meine Frau aber war ganz verrückt auf eine Bauernhofszene. Im Vordergrund zwei Schweine, die sich ihre Rücken im Schlamm rieben, daneben Gänse mit aufgerissenem Schnabel und im Hintergrund pickende Hühner und ein Bauer, der die volle Mistkarre in Richtung des dampfenden Haufens karrte. Wie konnte ich da je Ruhe finden in meinen vier Wänden, wenn sich über mir Schweine suhlten, Gänse schnatterten, Hühner gackerten und es nach Jauche roch? Und schon fing die Diskutiererei an. Die Parteien tauschten ihre Argumente aus, ohne Aussicht auf Annäherung. Ich wollte schon eine Münze werfen, doch wollte ich mich nicht lächerlich machen. Da der Klügere bekanntlich der Schlauere ist, forderte ich meine Frau auf, diesen Part zu übernehmen – vergeblich. Schließlich ließ ich mich auf die Finte meiner Frau ein, dass ich das nächste Mal ein Bild aussuchen dürfe. Können Sie sich vorstellen, wie unwohl ich heute mein Haupt unter das Bild bette?
Dies war nur ein Beispiel dafür, wie wir Männer ständig den Kürzeren ziehen, wie wir herumgeschubst werden, wie wir zu Ja-Sagern degradiert werden und wie wir die Hosen ausgezogen bekommen.
Ob es das abendliche Fernsehprogramm ist – Sportschau, das Wort kenne ich schon gar nicht mehr – ob es um die Urlaubsplanung geht – da schau ich mir nur noch an, was sie herausgesucht hat, um mir vorzustellen, wie es dort wohl sein wird – oder ob es um die Farbe von Rasenkantensteinen, um das Modell des neuen Autos oder um Zahncreme geht, überall verfügt das angeblich schwache Geschlecht über den Aufsichtsratsvorsitz, dessen Stimme bekanntlich doppelt zählt, bei Stimmengleichheit.
Jetzt kann ich mir auch gut ausmalen, wer bei uns in Deutschland eigentlich Politik macht. Nein, nicht was Sie jetzt denken, Sie denken es wären die Frauen im Parlament, nein, nicht ausschließlich die – vielmehr sind es die Ehefrauen der Politiker. Sie halten die wirklichen Fäden der Macht in ihren Händen, denn sie dirigieren die gesetzlich angetrauten Marionetten, die unter ihnen regieren.
Wissen Sie denn, was passiert, wenn man sich auflehnt gegen jene Macht, können Sie sich das im Entferntesten vorstellen? Ich glaube das können Sie sich nicht vorstellen, zumindest Sie nicht, die Sie als geschlechtslose Wesen ohne feste Bindung durch die Welt spazieren. Wissen Sie was es beim Bund heißt, wenn man einen Befehl missachtet? Das ist Befehlsverweigerung, Hochverrat. Das Schlimmste, was ein einfacher Soldat verbrechen kann, außer er uriniert an den Fahnenmast. Wird er nicht standrechtlich erschossen, was Gottseidank in unserer zivilisierten Welt nicht mehr vorkommt, so wird er erst eingebuchtet und dann unehrenhaft entlassen.
Mittlerweile habe ich mir das Diskutieren gänzlich abgewöhnt – es vernichtet nur unnötig Energie und führt eh zu nichts weiterem, als Herzflattern und Aggression. Zumindest hält es sich angepaßt viel angenehmer aus, als wenn ständig Streit in der Luft liegt. Und ich gebe es zu, es gibt ja auch angenehme Stunden. Oben im Schlafzimmer, wenn sie mal keine Kopfschmerzen hat, dann darf ich mal den Hengst machen. Aber auch diese Reitstunden werden immer seltener. Apropos Reitstunden – die wurden vom Familienrat gestrichen, schließlich hat die Madam ein neues Hobby entdeckt: Das Sparen.
Unsereins würde dazu das Wort Geiz benutzen, aber wehe meine Lippen würden es aussprechen, da wäre was los. Wir sparen! Ein Zauberwort liegt fortan in der Luft. Zu welchen Auswüchsen das führen kann, will ich hier kurz darlegen, aber glauben Sie mir, es ist furchtbar, besonders wenn Sie das Objekt sind, an dem gespart werden soll. Zunächst wurde ein Kassenbuch angeschafft, in das alle Ein- und Ausgaben peinlichst genau eingetragen werden müssen. Und wehe es gibt Kassendifferenzen. Da ist die Hölle los.
Letztens waren wir in der Stadt und ich habe so einem armen Schlucker ne Mark in seinen leeren Kaffeebecher geworfen – da war was los. Ich mußte mir anhören, dass die Gnädigste letzte Woche extra mit dem Fahrrad zum drei Kilometer entfernten Toom Markt gefahren war, weil dort die Frischmilch im Angebot war. Und jetzt so was – all ihr Eingespartes hätte ich zum Fenster.
bzw. zum Gesindel geworfen, das arbeitsscheu herumlungert. Beruhigt hatte sie sich erst, als sie ein neues Kostüm für 600 Mark für ihr Klassentreffen gefunden hatte. Zufrieden drückte sie mir auch noch die anderen Kleinigkeiten, wie sie es bezeichnete, in die Hände. Das wäre Sport für mich, sagte sie mit einem ironischen Lächeln, und sie hatte recht, wo sonst konnte ich leichter ins Schwitzen kommen, als im Trubel des Konsums.
Irgendwann schnappte sie diesen Begriff der Rationalisierung auf. Weiß der Teufel wo und wie sie darauf kam, aber plötzlich hatte ich eine Menge Mehrarbeit am Hals. Das Erste, was sie abgab, war das Bügeln meiner Sachen. Bügeln, eine Kleinigkeit, wenn es Frauen machen, eine Katastrophe, wenn Männer da Hand anlegen müssen. Gut, Unterhosen und Strümpfe bügeln sich noch recht einfach, aber mal ehrlich, wer hätte je gedacht, wie sehr die Hemden aufhalten? Heute weiß ich, welche Vorzüge bügelfreier Stoff hat, auch wenn nicht überall bügelfrei garantiert ist, wo bügelfrei draufsteht. Ich muß mich mal erkundigen, ob es Waschmaschinen gibt, die knitterfrei arbeiten.
Stellen Sie sich bitte einmal vor, Sie bügeln den Wäschekorb leer, der schier überquillt und stellen anschließend fest, dass Sie für zehn Hemden nur vier Bügel haben. Was nun? Heute weiß ich, warum Bügelkörbe immer randvoll sein müssen – wegen der Logistik, d.h. es werden nur soviel Hemden gebügelt, wie es Kleiderbügel gibt. Und Sie gewöhnen sich daran, jene Hemden, die am leichtesten zu bügeln sind, bevorzugt zu bearbeiten.
Was mir neuerdings im wahrsten Sinne des Wortes aufstößt, sind die neuen Gerichte, die in der Küche Einzug gehalten haben. Fleisch, dieses tote Fleisch von Tieren, die irgendwelche bösen Menschen profitgierig umgebracht haben und das mir einst den Gaumen auf das Vorzüglichste kitzelte, gibt es nicht mehr, zumindest nicht mehr bei uns. Haben Sie schon einmal ein Gemüsesteak gegessen? Ich sage Ihnen, so übel schmeckt das gar nicht, man gewöhnt sich daran, wie sich die Hühner in diesen Mastbatterien an ihr Dasein gewöhnen, so auch der Mensch, der eigentlich viel genügsamer ist, als man denkt. Überhaupt bin ich sehr genügsam geworden – kein Alkohol mehr, keine Schokolade, kein Hamburger und kein Eisbein mit Sauerkraut.
Wir gehen ziemlich früh ins Bett, aber nicht was Sie jetzt denken, nein, man kann dann früher die Heizung herunterfahren, das spart im Jahr so an die 300 Märker, sagt meine Frau. Dafür bin ich dann morgens einer der Ersten im Büro und als Frühaufsteher bekannt, denn wer rückt schon um sechs Uhr an, wenn das EDV-System erst um sieben Uhr hochgefahren wird? Für den kleinen oder großen Hunger zwischendurch darf ich mir zuhause noch ein paar Brote schmieren. Für die Kantine langt es nicht, denn mein Taschengeld, das mir zugeteilt wird, reicht höchstens für den Bus. Am vorletzten Donnerstag bin ich schon mal schwarz gefahren, weil Frau Otto für Herrn Kleinschmidt´s Geburtstagsstrauß sammelte. Mancher wird sich jetzt fragen, warum ich keine Monatskarte habe, aber das kommt ganz darauf an, wieviele Feiertage im Monat sind und da kann man sich ganz genau ausrechen, wann eine Monatskarte sinnvoll ist und wann nicht.
Eine weiter Frage spüre ich direkt im Nacken und ich sage ihnen klipp und klar: Ich liebe meine Frau. Ja wir lieben uns. Liebe ist etwas Wunderbares.
Man nimmt sich selbst zurück und wird so reich dafür beschenkt. Ja, da staunen Sie, für Harmonie in der Ehe, da muß man auch etwas tun. Da kann man sich nicht auf die Couch legen und die Frau schuftet sich in der Küche ab.
Ich denke, das Geheimnis einer guten Ehe liegt mehr im Geben als im Nehmen.
Ab und zu einen frisch gepflückten Blumenstrauß, aus dem eigenen Garten oder dem des Nachbarn, Küsschen hier, Küsschen da, Wünsche von den Lippen ablesen, verstehen, wenn die Farben in der Garderobe der Frau nicht mehr passen, nie den Macho raushängen lassen und niemals, aber auch wirklich niemals widersprechen, das sind die Geheimnisse einer gut funktionierenden Ehe. Wieso gehen denn so viele Ehen kaputt – na? Weil der Mann seiner Rolle gerecht werden will, weil er den über Generationen gewachsenen Starken spielt, ohne der Frau hierfür eine Chance zu geben. Und wenn dann der Frau die Rolle der Schwachen mißfällt und sie nach mehr Gleichberechtigung verlangt, dann sind es doch die Männer, die nicht in der Lage sind, dem nachzukommen – Null Toleranz, das ist es, was Ehen heute scheitern lässt. Und ich wollte Ihnen, lieber Leser, heute einmal zeigen, dass es auch anders geht.

Nein, Kinder haben wir nicht. Meine Frau sagt, das würde sich nicht rechnen, obwohl wir beide gern Kinder hätten. Aber die steuerlichen Vorteile und das Kindergeld würden das nicht im mindesten aufrechnen, was ein Kind kostet, was eine Pause bei der Karriereplanung kostet, ganz zu schweigen von den immateriellen Verlusten, wie Urlaubsverzicht, schlaflose Nächte etc. Wir haben uns damit abgefunden keine Kinder zu bekommen, wir sorgen selbst für unsere Rente. Dafür haben wir einen Vermögensplan aufgestellt, abseits jedes Versicherungsmaklers. Und wenn das alles so klappt, wie wir uns das vorstellen, dann könnten wir theoretisch mit fünfzig aufhören zu arbeiten.
Aber auch das könnte ich mir aus dem Kopf schlagen, sagte meine Frau, schließlich bedeutete dies einen Rentenverlust jenseits jeglicher verstandesmäßiger Regung. Wenn jetzt einer mit dem Argument käme, dass zukünftige Generationen für unsere Rente aufkommen müssten, dem würde meine Frau entgegnen, dass wir heute auch den doppelten Beitrag leisten – wir sind Doppelverdiener, ist ja klar – ich selbst habe mir abgewöhnt irgendwelche Stellungen zu beziehen. Als ich noch Stellung zu etwas nahm, da habe ich nur provoziert, da bin ich negativ aufgefallen und wer will schon als etwas Negatives dastehen? Ich bin neutral geworden, so wie die Schweiz – ich hab zwar keine hohen Berge, tiefe Täler tun es auch. Nein, ich habe keine Depressionen. Meine Frau sagte mir, Depressionen, das wären typische Frauenkrankheiten, Männer würden so etwas nicht bekommen. Und ich bekomme das auch nicht. Es geht mir nicht schlecht, ganz im Gegenteil, es geht mir gut, wenn ich betrachte, wie es diesen Überschwemmungsopfern in Bangladesch geht, oder den Hungernden in Somalia oder Erdbebenopfern. Geht es denn den Wandermönchen in Indien schlecht? Nein, auch wenn sie nichts haben, als die Kleider auf dem Leib und hungern manchmal tagelang, leben sie doch in der Gewißheit eines Tages erlöst zu werden. Und ich? Ich hungere nicht, ich wandere nicht, aber ehrlich gesagt – über die Erlösung mach ich mir dann und wann schon mal Gedanken!

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