Der Feuerteufel

von Jürgen Jesinghaus (copyright)

Die Tante ging arbeiten. Darum musste sie früh aus den Federn. Sie nahm Bébé mit auf den Weg. An der Bushaltestelle trennten sie sich – wortlos, als gehörten sie nicht zusammen. Bébé trottete den Weg zur Schule, immer um die gleiche Zeit, ob die erste Stunde ausfiel oder nicht. Seine Tante wollte ihn nicht im Hause haben, wenn sie abwesend war, und sie wollte ihm auch keinen Wohnungsschlüssel anvertrauen, weil sie um ein Erbstück, den polierten Schrank aus Kirschholz, bangte. Immer wähnte sie Kratzer und blinde Stellen darauf, verdächtigte Bébé, untersagte ihm schließlich den Aufenthalt im Wohnzimmer und sorgte am wirkungsvollsten für die Durchsetzung ihres Verbotes, indem sie ihn während ihrer Abwesenheit aus der Wohnung ausschloss.

Der verwaiste Bébé, der eine Zeit lang bei seiner Tante (genau genommen seiner Großtante) wohnen musste oder durfte, war kein guter Schüler, nicht das, was man dafür hält, dazu war er zu intelligent. Sein Verhalten forderte die Lehrerin heraus. Mal hielt sie ihn für faul oder altklug, mal für aufsässig, nie für angepasst. Das Sorgenkind Nr. Eins, aber auch ihr Liebling. Wie er war, erhellt folgende Begebenheit: Frau Finke, die Lehrerin, hatte ihren Schülern aufgegeben, einen Bogen Papier möglichst weit zu werfen, an nichts anderes denkend, als dass sie eine Papierschwalbe falten würden (die Anleitung dazu entnahm sie einer vergilbten Zeitschrift, wo es hieß, die Befreiung der Frau vom Joch des Mannes beginne damit, die Erziehung männlicher Zöglinge auch auf die von Vätern beherrschten Gebiete auszudehnen). Bébé, der den kindischen Versuchen seiner Mitschüler, auf dem Schulhof Papier in die Luft zu schleudern, verächtlich zugeschaut hatte, hob einen Stein auf, umwickelte ihn mit seinem Papierbogen und warf ihn über eine Distanz, die jede Weite seiner Mitschüler übertrumpfte. Dafür tadelte ihn Frau Finke. Er fühlte sich verraten, weil er Lob erwartet hatte. „Du hast als einziger getan, was nicht ganz so falsch ist, aber doch auch wieder falscher! Die Leichtigkeit des Papiers veredeln wir zu einem Vorteil, indem wir es GESTALTEN und nichts hinwegnehmen, auch nichts hinzufügen!“

Bébés Tante kam erst gegen halb vier zurück. Bis dahin musste er mit seinen Broten haushalten, wenn er keine Einladung eines Mitschülers erhielt, die ihm die Brosamen vom Tisch fremder Eltern einbrachte, manchmal eine warme Suppe und einmal ein richtiges Steak mit allem drum und dran. Als unentgeltliches Zubrot nahm er allerlei Ratschläge, gute Tischmanieren betreffend, mit auf den Heimweg. Aber meistens war er allein in der Zeit zwischen Schulschluss und Rückkunft der Tante, die er nicht liebte, die ihn nicht liebte. Bei kaltem oder nassem Wetter versteckte er sich in der Klasse, oder er stellte sich unter das gelbe Kunststoffdach der Bushaltestelle. Er addierte die vierstelligen Zahlen auf dem Fahrplan, summierte Ankunft- und Abfahrzeiten, merkte sich Differenz und Verhältnis. Was er zuerst spielerisch für einzelne Angaben getan hatte, vervollkommnete er und stellte eines Tages zur Diskussion, ob Ankunftzeiten insgesamt kleiner seien als Abfahrtzeiten – und ob das in jedem Fall gelte. Dieses absonderliche Interesse galt auf der Schulkonferenz bei einigen Kollegen als Zeichen von Intelligenz, bei anderen als Zeichen von Idiotie und bei keinem als Zeichen für zu lange Aufenthalte an Bushaltestellen.

Wenn er gefragt worden wäre, ob er gerne zur Schule geht, hätte er mit nein geantwortet. Und soweit sich ein Erwachsener wie ich, an dem die Gedächtnisschwäche nagt, noch in die vorgestellte Welt eines Kindes hineindenken kann, hätte er damit nicht ausdrücken wollen, dass er lieber überhaupt nicht zur Schule geht, denn zu seiner Klassenlehrerin unterhielt er eine innige, wenn auch komplizierte Beziehung. Im Grunde war er dankbar oder würde eines Tages das Gefühl von Dankbarkeit entwickeln, um die Bilder seiner Schultage durch die vielen Filter der Erinnerung zu verklären. Aber eben wegen der komplizierten Beziehung gefiel ihm der Unterricht auch wieder nicht, denn er war nicht ungetrübt.

Frau Finke hielt die freie Rede für ein vornehmes Ziel ihrer pädagogischen Bemühungen – und niemand hätte ihr darin widersprochen, wenn sie nicht auf den Gedanken verfallen wäre, ihre Schüler vor der Klasse frank und frei Erlebnisse aus dem Privatbereich vortragen zu lassen. Bei Bébé bemängelte sie, dass seine Erzählungen zu dünn seien. „Erlebst du denn gar nichts, bist du nicht ausdrucksstark genug?“ Nicht ausdrucksstark zu sein, nicht stark zu sein, das empfand er als Kränkung! Fortan blühten seine Geschichten auf. In ihnen kam Perry Rhodan vor, der ihn von Zeit zu Zeit besuche. Die Lehrerin wusste nicht, wer Perry Rhodan ist, erkannte aber, dass Bébés Geschichten ins Fantastische abrutschten. Es wurde ihr deutlich, als er behauptete, sein Vater arbeite für Geheimdienste. Sie schalt ihn deswegen einen Lügner. Ob nun dies eine Rolle gespielt hatte, nämlich die schwierige Aufgabe zu lösen, seiner Lehrerin eine ausdrucksstarke UND wahre Geschichte zu erzählen, ob er selbst die Voraussetzung für eine wahre Geschichte schaffen wollte oder ob andere Gründe eine Rolle spielten für das, was sich ereignen sollte – das ist nie restlos geklärt worden.

Jede Geschichte ist wie ein Stück in einem endlosen Gewebe. Jede Geschichte hängt mit der Weltgeschichte zusammen. Wo man anfangen und aufhören soll, lässt sich nie genau bestimmen. Denn bereits in dem Moment, wo Herr Hunsrück mit seinem grauen Kittel in das Blickfeld rückt, wo er mehr und mehr sichtbar wird, wie er aus seiner Wohnung Kartons voll Verpackungsmaterial und klamm feuchter Zeitschriften herauszieht, beginnt man, sich für ihn zu interessieren. Da möchte man wissen: Wer ist Herr Hunsrück? Vielleicht sammelt er Briefmarken, und sein Spezialgebiet ist die Astronomie? Huygens, Halley, Herschel oder die Renaissance-Riesen: Kopernikus, Kepler, Galilei oder die Alten: Aristarch, Hipparch, Ptolemäus oder die großen Theoretiker: Newton, Gauß, Einstein oder die alten Babylonier oder die Araber und Chinesen – und flupp: Weltgeschichte und Universum! Womöglich können wir mit diesem Mann in dem grauen Kittel darüber reden, und wir wundern uns, wie er, ein mürrischer, unbekannter Hausmeister, über die Genies und die Objekte ihrer Beobachtungen plaudert! Eine so weit hergeholte Spekulation hätte ich bestimmt nicht vorgetragen, wenn dieser Mann, der soeben die erste Ladung an Kartons vor seine Tür gestellt hat, nicht tatsächlich Briefmarkensammler wäre, Themenbereich Astronomie. Er korrespondiert mit Menschen, die auch Briefmarken sammeln und sich für dasselbe Thema erwärmen. Ja, er hat einen Interessenverein gegründet und darf sich nun den Vorsitzenden davon nennen: Verein für philatelistische Astronomie.

Ich hatte die Ehre, mich einmal mit ihm zu unterhalten. Die denkwürdigste Briefmarke in seinem Besitz, so erzählte er mir, sei die 75-Dollar-Marke Guyanas aus dem Jahre 1991 zur 750. Jahrfeier der Gründung Hannovers durch Otto das Kind mit dem Bildnis der Astronomin Caroline Herschel. Auch die nordkoreanische 10-Won-Marke aus dem Jahre 1980 zum 350. Todestag Keplers sei eine Rarität, und mehr als nur das: „Ist sie nicht auch eine Hoffnung?“ fragte er mich, „hat nicht jemand die dumpfe Diktatur überlistet und seiner Sehnsucht nach Bildung Ausdruck verliehen, vielleicht ein Beamter des Postministeriums, der Postminister selbst?“ Alle diese erbaulichen Marken hätten seine, des Hausmeisters, Bildung gefördert, nicht nur auf dem Gebiet der Astronomie, auch auf dem der Geografie. Denn nun wisse er, wo Guyana liegt, und traue sich zu, in der Quiz-Sendung bei Herrn Jauch eine gute Figur zu machen. Er forderte mich auf, ihn nach den Cook-Inseln und den Komoren zu fragen oder nach dem Commonwealth of Dominica, das nicht zu verwechseln sei mit der Dominikanischen Republik (aha). Meine Achtung vor diesem grauen, griesgrämigen Mann stieg, und ich wurde wieder daran erinnert, dass die Bildung der Handwerker in Deutschland solider ist als die der Lehrer (Ellen Finke natürlich ausgenommen).

Dieser Mann, Herr Hunsrück, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, seine Wohnung und den Keller zu entrümpeln, weil gegen Mittag die Müllabfuhr den Sperrmüll abholen würde. Diesem Hausmeister kann man beim schlechtesten Willen keine Schuld geben. Er wusste ja nicht, dass Bébé, der wie immer zur Schule gegangen war, nicht aufs Gelände durfte, weil für alle Klassen die erste Stunde ausfiel. Er konnte ja nicht wissen, dass Bébé, den er mit seiner Tante hatte fortgehen sehen, bald wieder zurückkehren würde. Und wenn er es auch geahnt hätte, eine Verletzung der Sorgfaltspflicht wäre ihm nicht anzukreiden, denn er hatte nicht, wie die anderen Mieter, seinen Müll am Abend des Vortages hinausgestellt, sondern erst heute früh. Herr Hunsrück wollte Fledderer fernhalten und nicht dazu ermuntern, in der Nacht die Kisten und Kästen auseinanderzureißen. Alte Möbel, sie brauchten gar nicht antik zu sein, waren begehrte Objekte der Nachforschung, weil in den Köpfen die romantische Vorstellung spukte, dass ein verkalkter Greis nicht mehr die Zeit gefunden habe, wertvolle Papiere, vielleicht sogar Bargeld, unter dem Wachstuch eines Küchentisches hervorzufingern, um sie rechtzeitig den Erben auszuhändigen. Wie sonst war es zu erklären, dass der Sperrmüll nach wenigen Stunden weit verstreut auf dem Gehweg, teilweise auf der Fahrbahn lag?

Hatte nicht kürzlich ein Journalist Briefe veröffentlicht, die er im Schubfach eines Schrankes gefunden hatte, Liebesbriefe, nie beantwortet (wie ihrem Inhalt zu entnehmen ist)? Hatte dieser Journalist den Sperrmüll durchwühlt auf der Suche nach Volkskunst, nach literarischen Anregungen, beispielsweise Tagebüchern? War er auf der Suche nach der unveröffentlichten Arbeit eines Genies, einem großen, seit Jahren vollendeten, aber nie eingesandten Roman (oder eingesandt, aber abgelehnt)? Der Journalist wäre auch mit Geld zufrieden gewesen, ein Hunderter hätte ihn beglückt, ein Tausender seinen Dispositionskredit ausgeglichen. Er fand die Briefe und zerrte gegen Zeilenhonorar den holperig ausgedrückten unermesslichen Schmerz eines Liebenden vor die Öffentlichkeit. Ein Fledderer.

So hatte ja auch Hunsrück einen guten Fund gemacht, vor etlichen Jahren in der Trommel einer abgestellten Waschmaschine. Inmitten von Schulheften war er auf das gestoßen, was ihm zu einer späten Bildung verhalf: die Briefmarkensammlung eines Kindes, von geringem philatelistischen Wert, weil unsystematisch, nicht geordnet nach Ländern oder Serien, nur nach Sonne, Mond und Sternen. Seitdem ist Hunsrück peinlich genau beim Wegstellen ausgedienter Dinge. Er hatte sich angewöhnt, seinen Müll (und wenn es sich ergab, auch den anderer Hausbewohner) im Flur zu stapeln. Diese Vorsicht, diese Ordnungsliebe, dieser Hang zur Schönheit unverstellter Häuserfronten, ausgerechnet dieser Umstand soll dazu geführt haben, dass sich Bébé in das Restaurant „Zum Schweinestall“ (gutbürgerliche Küche) schlich, an dem Hintern der gebückten Putzfrau vorbei, ein Streichholzheftchen vom Tresen griff und zurücklief, hinter der Frau, die ihr erhitztes Gesicht hob? Sie richtete sich vollends auf, drückte ihren Rücken durch, legte ihre Hände in die Nierengegend und schaute dem Jungen nach, der es eilig hatte, die befahrene Hauptstraße zu überqueren. Die Putzfrau kenne ich. Sie könnte meine Mutter sein. Auch meine Mutter war Putzfrau, und dem Umstand, dass sie in einer Beamtenwohnung für Ordnung sorgte und einige Pausen mit dem Hausherrn zubrachte, verdanke ich nicht nur mein Dasein, sondern auch meine Hochachtung vor Frauen, die den Dreck anderer Leute wegmachen und trotzdem unter Wert bezahlt werden (aber ich schweife vom Thema ab).

Die Haustür stand offen. Herr Hunsrück, der Philatelist, war nach seiner verantwortungsvollen Arbeit in die Wohnung zurückgekehrt und beugte sich jetzt vermutlich über seine Briefmarken. Bébé zog Kisten und Kästen vor die Tür seiner Tante, zündete ein Streichholz nach dem anderen, hielt sie an Pappe und Spanholz, ohne den sichtbaren Erfolg, den er sich davon versprochen hatte. Die scheinbar ausgeglühten Zündhölzer ließ er zwischen die Pappe fallen, in dunkle Ritze, die an samtene Brieftaschen erinnern, an streng vertrauliche Akten hinter Rolladenverschlüssen. Endlich, Bébé war längst fort, geschah denn doch noch, was Herr Hunsrück vielleicht (aber auch nur vielleicht) hätte verhindern können. Der Luftzug im Flur beförderte die Flämmchen zur Flamme. Sie brannte ihr Konterfei in den Farbanstrich, bestickte die Ränder mit roten Perlen und heftete zierlich wehende Bänder daran. Wie eine Blinde tastete sie sich an der Wand entlang, erhob sich in der Ecke und schien lange ungeduldig an der Tür zu horchen. Der weiße Lack schmorte zu Wülsten, färbte sich karamell-braun. Das Feuer schürfte in der brodelnden Masse auf der Suche nach dem süßen Fleisch, dem Holz der Tür. In diesem fürchterlichen Zustand der Hingabe, ihrer brennenden Leidenschaft, wurde die Flamme überrascht und an die Feuerwehr verraten. Die rasende Fackel konnte eben noch davon abgehalten werden, in den Mantel der Tante zu steigen und sich ihren Hut aufzusetzen.

Als die Tante zurückkehrte, schlug ein blauuniformierter Mann mit einem Beil die Reste der verkohlten Türe aus der Laibung. Er stand in einer schwarzen Tinte, zu der die Asche im Löschwasser verrührt war. Der Feuerwehrmann hielt erschrocken inne, als hinter ihm eine Frau zu kreischen anfing. Er lehnte das Beil gegen die Wand, schob mit einem Stups seinen Helm in den Nacken und fragte überflüssigerweise: „Wohnen Sie hier?“ Die Tante stürmte an ihm vorüber, durch den Flur in das Wohnzimmer. Als nichts geschah, kein Kreischen, kein Weinen, kein dumpfer Fall, da ging er vorsichtig hinein („darf ich nähertreten, gestatten Sie?“) und fand sie breitbeinig auf dem Stuhl vor der Kirschholzanrichte sitzen. Sie stierte auf den Mann, als hätte sie ihn erwartet, und sagte: „Mein Gott, mein Gott.“

Die Feuerwehr war außerstande, die Brandursache festzustellen, und sprach sogar von Selbstentzündung. Das fiel auf Herrn Hunsrück, der demnach selbstentzündliches Material unbeaufsichtigt in den Flur gestellt hätte, gegen alle elementaren Vorsichtsmaßregeln! Er verwahrte sich gegen den Vorwurf. Es sei ja nur Pappe gewesen und etwas Papier. Ob jemand schon erlebt habe, dass sich die Tageszeitung selbst entzündet? „Nicht einmal die Erste-April-Ausgabe ist dazu fähig!“ Auch Holzlatten seien dabei gewesen, Styropor und was weiß ich noch alles! Was-weiß-ich-noch-alles könnte selbstentzündlich gewesen sein, hielt man ihm entgegen. Die Tante hasste den Briefmarkensammler, weil sie es für erwiesen hielt, dass er an allem Schuld trägt.

Bei Ellen Finke in der dritten Stunde durfte Bébé seine Ausdrucksstärke beweisen! Er entlud den Ärger über den vermeintlichen Fehlschlag seines neronischen Vorhabens in der zornigen Schilderung eines Flammenmeeres, das die Wohnung seiner armen Tante hinweg gespült habe, der Tante, die nun mittellos, wie er selbst, auf der Straße stehe und nicht wisse, wo sie und er ein Dach über dem Kopf finden sollen. Beinahe wäre sie in den Flammen umgekommen, aber er habe rechtzeitig die Feuerwehr gerufen und dadurch der Frau das nackte Leben gerettet. Der Bericht wurde mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen, weil die Geschichte, anscheinend gelogen wie immer, doch eine gewisse Folgerichtigkeit aufwies und Anleihen bei wirklichen Vorkommnissen verriet. Die Schilderung zusammen mit der fünfzeiligen Zeitungsnotiz am folgenden Tag setzten Bébé dem Verdacht aus, das Feuer beobachtet zu haben. Die Tante war allerdings die einzige Person, die soweit ging, ihn der Brandstiftung zu zeihen.

„Der ist im Feuer geboren worden! Das hat er von meiner unseligen Nichte. Die ist auch verbrannt, mitten auf der Straße. Der Junge muss weg. Ich ertrage das nicht. Eines Tages regnet es in meine Wohnung. Der Sperrmüll kommt aus dem Haus und der Junge auch. Ich habe es nicht nötig, nur aus reiner Barmherzigkeit meiner Nichte gegenüber! Die hat auch mit dem Feuer gespielt, zuerst mit dem Schiffskoch, einem angeblichen Kapitän aus Bremerhaven, dann mit ihrem eigenen Chef. Und damals im Hotel! Da hat sie im Bett geraucht. Eine Schwangere darf nicht rauchen, schon gar nicht im Bett. Deshalb die Sturzgeburt, weil das Hotel brannte, und später ist sie dann selbst auf der Straße bei einem Unfall in Flammen aufgegangen. Der gute, liebe Kirschschrank hat zwei Weltkriege überlebt, und jetzt soll er verbrennen, nur weil der Pyromane in meiner Wohnung lebt? Ich habe ihm die Streichhölzer nicht gegeben. Fragen Sie mal den Herrn Hunsrück. Der stellt Zunder in den Flur. Der wird auch Streichhölzer an Kinder verteilen!“

Die Brandursache und ihre Hintergründe konnte auch die Lehrerin Ellen Finke nicht herausfinden, denn Bébé hatte die Brandstiftung nie zugegeben. Dass es sich so abgespielt haben soll, wie ich es schildere, ist nur eine Vermutung, bei der ich weitgehend der Großtante folge, ohne Bébé jedoch eine vorherbestimmte Beziehung zum Feuer zuzubilligen, wie sie es getan hat, um ihren Willen, Bébé loszuwerden, mythisch zu untermauern und irgendwelche Einwände gegen ihren Standpunkt ein für allemal, gewissermaßen unter Anrufung des Schicksals, zu beseitigen.

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