Die Zirbelkiefer

von Urte Skaliks (Copyright)

Da war einmal diese stattliche Zirbelkiefer, vor zwanzig Jahren am Gartentor selbst gepflanzt von den Bewohnern des neuen Hauses, zuletzt etwas breit geworden und sicher acht Meter hoch. Und die Kiefer spendete Schatten, und sie gehörte zum Leben der Menschen dazu. Manchmal im Winter schnitten sie Zweige, die in den Weg ragten, ab und stellten sie in die Vase.

Da kamen eines Tages diese starken Maschinen und rissen die Straße auf und bauten für die Menschen einen besseren Kanal zur Entwässerung. Und da verlor alsbald, weil ihre Wurzeln verletzt waren, die alte Zirbelkiefer mehr und mehr Nadeln. Sogar die Ästchen in ihrer vollen Krone wurden braun und schlapp, und die Krone wurde licht. Die Bewohner trauerten und bangten um sie, und sie warteten ab. Als klar wurde, daß sie es nicht mehr schaffen würde, verging noch fast ein Jahr, bis andere Maschinen kamen, um die alte Zirbelkiefer zu fällen.

Da erschraken die Menschen darüber, wie schnell sie fiel und daß sie sich gar nicht wehrte. Und da wunderten sie sich, wie klein der Holzstapel war, als ihre dünnen Äste unten lagen, denn sie war doch eine so stattliche Kiefer gewesen. Sie wunderten sich auch, wie gut und süß das feine Sägemehl duftete und daß die Holzkloben auch noch im Trockenkeller so gut und süß dufteten. Und sie staunten, wie hell es auf einmal im Garten geworden war. Und dann dachten sie noch, es sei wohl das letzte Geschenk der alten Zirbelkiefer – daß sie ihnen aus der Sonne gegangen war.

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