Lamda´s Haus
von Karlheinz Lörner (Copyright)
Als Lamda sein neues Haus nach langer Abwesenheit betritt, begegnet ihm die Hauswärterin freundlich. Die Hauswärterin ist klein, mit dunklen Haaren, hoch aufgesteckt. Ihr schmales Gesicht lächelt immer. Lamda überlegt, ob ihr das Lächeln gehört, ihr Eigentum ist, als sie ihn die Treppe hinauf geleitet, die Wendeltreppe zum Turmzimmer.
Das Zimmer ist so, wie er es sich auf seiner Reise vorgestellt hatte, wie er es sich immer gewünscht hat, wie er es insgeheim erwartet hat. Der Turm hat drei große Fenster nach Osten, Süden und Westen. Nur zum Norden hin wendet sich eine weiß getünchte Wand. An ihr steht ein Wandschrank, dunkelbraun gebeizt, schwere Türen. Der Schrank und die Wand sind ganz bemalt mit braunen oder weißen Linien, mit breitem Pinsel grob gezogen. Die Hauswärterin deutet lächelnd auf die Malereien: “Das ist ihr Werk, Herr Lamda.” Lamda ist glücklich und stolz, das geschaffen zu haben, das Zimmer und vor allem die Gemälde.
Die Linien ziehen sich in Kurven und Spiralen über die Wand. Eine Schlange ist zu erkennen und eine Eidechse, drüben eine Schildkröte unter vielem anderen. Es sieht aus wie die Kunstwerke der Aboriginis oder der Afrikaner. Aber es ist ein eigentümliches Werk, sein Werk.
“Jetzt zeige ich Ihnen noch die anderen Räume seines neuen Hauses, mein Herr.” lächelt glücklich die Hauswärterin, denn sie hat seinen Blick gesehen. Sie führt ihn andere Treppen hinab zu anderen Zimmern. Sie gleichen dem hohen Turmzimmer, weiß mit braunen Zeichnungen und hell. Aber das Turmzimmer ist das Schönste.
Als sie das Parterre wieder erreichen, stehen sie vor einer hohen dunklen Tür. “Wir sind jetzt am Gästezimmer angekommen, mein Herr. Aber hier ist ein Fehler passiert.” Die Hauswärterin blickt ihn besorgt an und lächelt. Lamda legt die Hand auf die schwere Klinke und öffnet den einen Flügel. Er erschrickt tief. Er weiß, daß alle die Räume, sogar das Turmzimmer wertlos sind, wenn das Gästezimmer mißlingt. Um große Sorgfalt war darum der Handwerker gebeten worden, gerade dieses Zimmer zu gestalten.
Die Flügeltüren öffnet die Hauswärterin weit. Trotzdem bleibt das Dämmerlicht bestehen. Es strömt vom Braun der Wände und Möbel in den fensterverhangenen Raum. Das Braun der Malereien scheint sich hier zum Herrn gemacht haben. In der Mitte des Raums steht ein dunkler Eichentisch, sechs hohe Stühle umstellen ihn.
Die Wände aber sind eigenartig mit gewaltigen Kacheln bedeckt, die wie Bruchsteine aneinandergelegt sind, eine liegt quer über einer Wand von einer Seite zur anderen. Die Kacheln sind matt glasiert mit schwarzen Schlieren. “Da hat der Handwerker sie falsch verstanden, Herr Lamda. Niedergeschlagen antwortet Herr Lamda: “Ja, ich wollte diesen Raum ebenso gestaltet, wie die anderen, weiß mit braunen Zeichnungen.”