Schöpfung ahoi

von Helmut Pöll (Copyright)

Was ist der Mensch? Geburt, er lebt mehr schlecht als recht ein Weilchen, stirbt kurz und ist viel länger tot.
Von göttlichem Geschick brutal herausgerissen aus der mütterlichen Bauchburg und schleimig und plärrend hingeschmissen an des Schicksals Gestade und Gestadinnen und des Lebens Busen! Yin und Yang. Schwarz und Weiß.
Wo hört der ganze Zirkus auf? Wo kommt er warum her? Wo geht er wie und warum hin? Wieso hat der Mensch denn keine Kiemen und ist – außer wenn er trinkt – nicht blau?
Sind zehn Finger nicht lachhaft wenig? Und wenn er elfe hätte oder sogar zwölf, was machten da die Händler mit all den zehnfingrigen Handschuhen?
Ist er nur zum Fressen auf der Welt und um ein paar Zentner zähes Fleisch durch‘s Jahr zu schieben?
Und wie ist das mit der Räuberei? Ist‘ s die Hand allein, die stiehlt, oder greift der Kopf die fremden Dinge und warum ist das wirklich schlecht?
Dort eine Bäumin und ein Baum, hier ein ganzes Bäume-Rudel. Hier fließt ein Fluß, dort schwimmt ein Meer. Und das Meer trägt Riesen-Schiffe ohne Murren. Wer könnte das von sich behaupten?
Aber wenigstens Sandkörner gibt es im Überfluß. Myriaden und Xyllionen. Wer nimmt sich soviel Zeit, sie alle zu verzählen?
Warum ist die Sonne nicht lavendelfarben und die Sterne rot und gelb gestreift?
Warum ist das Universum dunkel und nicht erfüllt von Rummelplatzmusik? Sogar die Schildkröte hat einen Panzer und das Dreirad trotzdem nicht? Und der Löwe, stünden dem nicht Flossen besser?
Warum ist alles so und nicht ganz anders? Warum ist blau nicht grün und gelb kariert, warum liegt die Mongolei nicht am Mittelmeer und Afrika bei Buxtehude?
Wer ist schuld am Regenbogen, daß das Salz nicht sauer schmeckt und der Kiesel schwimmt?
Wer sagt dem Bergbach, daß er rauschen soll, obwohl „Freude schöner Götterfunken” noch viel lauter ist?
Warum fällt alles gleich nach unten und nicht einfach eine Acht?
Warum war Cleopatra die Königin am Nil und nicht Franziska Meier. Und Karl der Große, wieso hieß der nicht Ferdinand?
Wo gibt‘ s am meisten Erdbeereis für‘s Geld, wo fünf paar Socken für unter einem Fünfer, was kostet ein Komet in Yen, wieviel Kilo wiegt der Mond?
Eine ganze Schüssel voller Fragen und nicht einmal eine Handvoll Antwort.
Was ist das beste Mittel gegen Wundstarrkrampf und Pocken, wer kennt ein Pulver gegen Pest und Haarausfall?
Wie hoch kann man rückwärts tauchen, wieviel Zigarren mit verbundenen Augen in einer Stunde rauchen?
Warum können Walfische kein Nachtlokal eröffnen und blaue Sommerkleidchen tragen?
Alles ist so furchtbar schwierig und wahnsinnig verstrickt. Und zieht man vorsichtig an einem Fädchen, stürzt das halbe Universum ein.
Das dumme Federvieh mag unverständig zwitschern, wie es will, nichts wird dadurch leichter: unbesteigbare Fragenlabyrinthe und Stromschnellen von Früh-Aufstehen-Sollen ringeln sich auch morgen noch um jeden Tag.

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